Nachlese zur Veranstaltung: Gemma und red´ma! Angekommen 2015 – und heute: ?
Termin: Sa., 26. September 2026
Uhrzeit: 15:00 – 19:30
Ort: Heiligenkreuz im Lafnitztal – Friedenswiese
Friedensstraße / Ecke Reihenhausweg
7561 Heiligenkreuz im Lafnitztal
Eine Aktion der Katholischen Erwachsenenbildung anlässlich 60 Jahre Europahaus Burgenland!
Rückblick: Begegnung, Erinnerung und Ausblick in Heiligenkreuz
Am Samstag, 26. September, wurde in Heiligenkreuz im Lafnitztal zurückgeblickt auf eine bewegte Zeit, die bis heute nachwirkt: das Jahr 2015, als tausende Geflüchtete über die ungarisch-österreichische Grenze kamen. Die Katholische Erwachsenenbildung der Diözese Eisenstadt lud anlässlich des 60-Jahr-Jubiläums des Europahauses Burgenland zu einer besonderen Begegnung ein – initiiert von Willi Brunner.



Ein Weg, der verbindet
Den Auftakt bildete ein gemeinsamer Friedensweg von der Ortsgrenze Heiligenkreuz zur Friedenswiese. Es war ein symbolträchtiger Ausgangspunkt: Genau hier kamen 2015 viele Menschen an, die vor Krieg, Verfolgung und Not geflohen waren. Die meisten zogen weiter, einige aber blieben und fanden im Burgenland und anderswo eine neue Heimat.
Mehr als zehn Jahre später kamen an diesem Ort Menschen wieder zusammen, die diese Zeit auf ganz unterschiedliche Weise erlebt und mitgestaltet haben: Menschen, die damals angekommen sind, ebenso wie jene, die geholfen, vermittelt, Deutschkurse organisiert, Unterkünfte bereitgestellt, gesammelt und begleitet haben.
„Es waren Chancen und Möglichkeiten“
Besonders berührend waren die persönlichen Geschichten der Menschen, die 2015 in Österreich angekommen sind. Einige von ihnen haben mittlerweile Ausbildungen abgeschlossen, stehen fest im Berufsleben und haben sich in Österreich ein neues Leben aufgebaut.
In ihren Erzählungen ging es um Chancen und Möglichkeiten, die sie wahrgenommen und genutzt haben – aber auch um die Herausforderungen, die mit dem Ankommen in einem neuen Land verbunden waren.
Auch die damaligen Helfer:innen blickten auf diese Zeit zurück. Ihre Berichte machten deutlich, wie groß die Bereitschaft der Zivilgesellschaft war, Menschen in einer außergewöhnlichen Situation zu unterstützen. Gleichzeitig wurde kritisch reflektiert, wo Unterstützung von öffentlicher Seite gefehlt hat und welche strukturellen Verbesserungen notwendig wären.





Was 2015 sichtbar gemacht hat
In den Gesprächen wurde unter anderem die unterschiedliche Situation von Stadt und Land thematisiert. Während in Städten vielfach zentrale Unterstützungsangebote und Strukturen vorhanden sind, fehlen vergleichbare Möglichkeiten in ländlichen Regionen häufig.
Auch die Frage nach einer verlässlichen öffentlichen Finanzierung von Hilfsangeboten kam zur Sprache. Das große ehrenamtliche Engagement von 2015 wurde von vielen als beeindruckendes Zeichen einer solidarischen österreichischen Zivilgesellschaft beschrieben. Gleichzeitig wurde deutlich: Ehrenamtliches Engagement kann und soll professionelle und langfristig abgesicherte Strukturen nicht ersetzen.
Keynote von Dr. Karl Kumpfmüller
Auf die persönlichen Statements folgte die Keynote von Dr. Karl Kumpfmüller, Friedensforscher und langjähriger Wegbegleiter des Europahauses Burgenland. In seinem Vortrag „Wo sind die Grenzen der Flüchtlingshilfe? Brennpunkt Afrika!“ verband er seine Erfahrungen aus der Friedens- und Entwicklungsarbeit mit einem Blick auf aktuelle und zukünftige globale Herausforderungen.
Kumpfmüller erinnerte an verschiedene Stationen seiner langjährigen Tätigkeit in der Friedens-, Entwicklungs- und Bildungsarbeit und betonte die Bedeutung funktionierender koordinierender Strukturen auf Landesebene. Die Erfahrungen aus dem Jahr 2015 könnten wichtige Lehren dafür liefern, wie auf vergleichbare Situationen künftig besser reagiert werden kann.
Darüber hinaus richtete er den Blick über die unmittelbaren Erfahrungen der Flüchtlingshilfe hinaus auf globale gesellschaftliche Herausforderungen und Fragen der Entwicklungszusammenarbeit.
In der anschließenden Diskussion, moderiert von Mag.a Birgit Prochazka, wurden die angesprochenen Themen gemeinsam mit dem zahlreich erschienenen Publikum weiter vertieft.





Begegnung als Beitrag zu einer weltoffenen Bildung
Zum Abschluss blieb Zeit für Austausch, Begegnung und Musik. Bei Live-Musik von Nadine B. und Anika W. klang der Nachmittag in entspannter Atmosphäre aus.
Die Veranstaltung hat gezeigt, wie wertvoll es ist, Orte und Erfahrungen aus der Vergangenheit gemeinsam neu zu betrachten. Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen von 2015 kamen Menschen miteinander ins Gespräch, deren Lebenswege damals auf besondere Weise miteinander verbunden wurden.
Die Begegnung in Heiligenkreuz war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Bildung auch bedeutet, zuzuhören, Erfahrungen sichtbar zu machen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und gemeinsam über die Zukunft nachzudenken.
Herzlichen Dank an alle die dabei waren und an die Katholische Erwachsenenbildung der D.E., allen voran Willi Brunner, für die Initiative!
